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Glaubenskriege

Unsere Gesellschaft wird zunehmend immer mehr verwissenschaftlicht, egal in welchem Bereich. Das ist auf den ersten Blick keine schlechte Entwicklung, ist die Wissenschaft doch der bis dato erfolgreichste Versuch der Menschheit alles, womit Menschen in Kontakt kommen oder kommen könnten, zu beschreiben. Die Methodik ist klar und einfach, und hat sich über die Jahrhunderte bewährt.

Wir können mittlererweile auf den Mond und rund um die Welt fliegen, Satelliten zu allen möglichen Zwecken in die Erdumlaufbahn schießen, legen immer mehr Details des Organismus offen, und können die Welt mehrfach zerstören. Und noch viele andere Dinge. Zwar bleibt die Frage des “Warums” zwangsweise meistens unbeantwortet, allerdings lassen sich mit dem Werkzeug Wissenschaft schon sehr erstaunliche Dinge anstellen.

Bei diesem Überschwang wird allerdings sehr gerne die kritische Sicht auf die Wissenschaft ausgeblendet, und die Wissenschaft als absolute Wahrheit dargestellt. Unabhängige Forscher und Studien verschwinden mehr und mehr, Studien werden zum Teil sehr unsauber erstellt, und es fehlt die Zeit, und vor allem der ökonomische Anreiz, die bestehenden Theorien zu überprüfen bzw. zu falsifizieren.

Deutlich wird dies gerade bei der jüngst begonnen Hexenjagd auf die Homöopathie. Die Wissenschaft als solche lehnt die Homöopathie ab, und ist in ihrem Selbstverständnis natürlich auch dazu verpflichtet. Da die Homöopathie nämlich nicht eine Wissenschaft ist, und auch nicht mit einer wissenschaftlichen Methode arbeitet, wird sie aus Prinzip abgelehnt.

Auf der anderen Seite hat die Homöopathie allerdings auch Erfolge, zum Teil gerade dort, wo die Schulmedizin, also die Wissenschaft, versagt. Die Gründe für das Versagen können alle möglichen Gründe sein, entweder dass das Verständnis der biologischen chemischen und psychologischen Prozesse, und deren Zusammenspiel, sehr beschränkt oder schlicht nicht vorhanden ist, dass die wissenschaftlichen Modelle zu abstrakt sind, was auch immer, man weiß es schlußendlich nicht.

Genaugenommen müßte die Wissenschaft herausfinden, was an ihren Modellen de facto falsch ist, da spätestens die normative Kraft des Faktischen im Einzelfall, oder auch mehreren Fällen, beweißt, dass das verwendete Modell und seine Annahmen so nicht funktionieren.

Stattdessen wird versucht mit wissenschaftlichen Denkmodellen die Homöopathie zu diskretitieren, was auch nicht schwer fällt, da mit den heutigen Forschungsmethoden eine Wirksamkeit der Homöopathie nicht nachgewiesen werden kann. Somit wird den homöopathischen Erfolgen ganz einfach der Stempel “Placebo”-Effekt aufgedrückt, und die Wissenschaft ist einfach so aus dem Schneider.

Gut, man könnte argumentieren, dass die Wissenschaft einfach noch ein paar Jahre/Jahrzehnte/Jahrhunderte braucht, nur ist dies momentan nicht zielführend.

Formulieren wir es doch einfach um: wenn jemand krank ist, dann ist es dieser Person vollkommen egal, wie und warum er/sie wieder gesund geworden ist, vor allem wenn die Schulmedizin im Vorfeld bereits versagt hat und [!] die Heilung zum Teil nicht [!] erklären kann. Selbst wenn es tatsächlich nur einen Placeboeffekt bei der Homöopathie gäbe, wäre es dieser Person weiterhin egal, Hauptsache wieder gesund. Der Arbeitgeber freut sich da genauso wie die Krankenkasse.

Es kann doch nicht sein, dass man eine Heilung von der Entwicklungsgeschwindigkeit der Wissenschaft und den Interessen der Pharmaindustrie abhängig macht, getreu dem Motto: du bleibst solange krank, bis die Wissenschaft dieses Problem lösen kann und/oder die Pharmaindustrie ihr Geschäftsmodell erfolgreich umgestellt hat.

Eines kann man der Wissenschaft nicht nehmen: ihre Analysefähigkeit ist unübertroffen (z.B. gutartiger Tumor Position X,Y,Z)! Solange die Wissenschaft beschreibt ist sie in der Regel nicht anzugreifen. Das Problem entsteht dann, wenn im Beispiel der Medizin die richtige Therapie gefunden werden muss, man anfängt das vorliegende Ergebnis zu interpretieren bzw. wenn man versucht Zusammenhänge herzustellen. Der Körper muss sich selber heilen, und die Medizin versucht [!] ihn dabei zu unterstützen in dem sie versucht [!], die optimalen Rahmenbedingungen zu schaffen. Solange die Medizin eben nicht weiß warum der Körper ein bestimmtes Verhalten aufweist, ist sie in ihrem Therapieansatz stark benachteiligt.

Der gesunde Menschenverstand existiert in der Wissenschaft nicht, er sollte aber bei denen existieren, die Wissenschaft betreiben, und ganz besonders bei denjenigen die darauf ihre Entscheidungen stützen. Wenn man nicht von Zeit zu Zeit die nötige kritische Haltung einnimmt, kommt es zu solchen Auswüchsen wie in der jüngsten Vergangenheit. Sei es die Hexenjagd auf die Homöopathie, sei es der Kreuzzug gegen das Passivrauchen. Gerade bei letzterem tut sich die Wissenschaft keinen Gefallen. Studien, die extrem unsauber gemacht werden, beeinflusst von externen Interessen, und deren Ergebnis bereits im vornhinein feststehen.

In beiden Fällen wird ein Glaubenskrieg gefochten, auch wenn beide unterschiedlich geführt werden. Die Wissenschaft als Religion, die Religionsführer (Wissenschaftler), und die Jünger (der Rest) die in ihrem Käfig gefangen sind. Im Beispiel der Homöopathie also ein Krieg gegen die Andersgläubigen, die Heiden, diejenigen, die sich nicht nur des Werkzeugs Wissenschaft bedienen wollen, sondern auch noch anderen Göttern (Geld zählt hier ausnahmsweise nicht) dienen, im Beispiel des Passivrauchens ein Glaubenskrieg innerhalb der Wissenschaft, nämlich welche Methodik und welche Interpretation nun anzuwenden ist. In beiden Fällen wird der Krieg zusätzlich von aussen am Laufen gehalten, und die Wissenschaft dabei auch korrumpiert.

Die Politik, die hier regulierend eingreifen könnte unterlässt dies aber, im Gegenteil. Anstelle den Universitäten mehr Gelder zu bewilligen und bspw. der Pharmaindustrie abzunehmen um unabhängige Forschung zu gewährleisten macht die Politik genau das Gegenteil. Dies betrifft alle Wissenschaften, mit denen sich das “große Geld” verdienen lässt. Statt Unabhängigkeit die vollständige Kommerzialisierung, so dass diejenigen mit dem meisten Geld die Forschungsergebnisse bestimmen. Anstelle das Sommerloch zu stopfen und eine Hexenjagd auf die Homöopathie zu starten, um angeblich Kosten einzusparen, sollten sie diese Entscheidung den Kostenträgern überlassen. Anstelle mit fragwürdigen medizinischen Studien zum Passivrauchen aufzuwarten und ein Rauchverbot durchzusetzen, sollte sie lieber die Gastronomiebetriebe großzügig steuerlich fördern, die in ihren Räumlichkeiten das Rauchen verbieten, und diejenigen, die dies erlauben, stärker zur Kasse bitten.

Mit Verboten erreicht man in einer kapitalistischen Gesellschaft fast nichts, mit Geld fast alles.

Markus Ernst

Zero Tolerance 2.0

Es ist wieder einmal so weit: das Thema Nichtraucherschutz ist in aller Munde. Was ist denn nun wieder passiert? In Bayern gab es gestern einen Volksentscheid, nachdem ab dem 01. August 2010 fast sämtliche Aussnahmen des Nichtraucherschutzgesetzes abgeschafft werden.

Als unmittelbare Folge brechen wieder die Grabenkämpfe um das Pro und Contra auf. Eine sinnvolle Diskussion ist nicht möglich, und vor allem von den Verbotsbefürwortern auch nicht erwünscht, was vor allem das schließen von Kompromissen betrifft, etwas also, das sonst gerne als demokratische Tugend verkauft wird.

Interessant finde ich die Überlegung was passiert wäre, wenn das Ergebnis umgekehrt ausgegangen wäre: gleiche Wahlbeteiligung, nur 60% für die Beibehaltung und 40% für das komplette Verbot. Ich bin mir ziemlich sicher, dass die Initiatoren von einer erfolgreichen Beeinflussung durch die Tabaklobby gesprochen hätten, so wird es nun halt als Sieg für die Demokratie verkauft; vor allem in der heutigen Zeit, wo über die große Politikverdrossenheit geklagt wird (siehe auch Wahlbeteiligung gestern), kommt so ein Volksentscheid doch wie gerufen, und dient als Kontrollinstanz.

Auch die Basis, d.h. das Fundament, auf das sich die Nichtraucher-Lobbyisten stützen, müsste einer genaueren Prüfung unterzogen werden. Überhaupt: es gibt nicht nur eine Tabak-Lobby, sondern auch eine Nichtraucher-Lobby, die ebenfalls über sehr große finanzielle Mittel verfügt, anders ließen sich die Propagandafeldzüge gegen das Rauchen auch gar nicht finanzieren. Die Nichtraucherinitiativen werden zum Teil von der Parmaindustrie unterstützt, die auf diese Weise den Absatz ihrer Produkte für den werdenden Nichtraucher erhöhen möchte.

Studien, die den gesundheitlichen Schaden von Passivrauchen widerlegen oder auch nur relativieren, werden als Propaganda abgetan, genauso müsste man dann die anderen Studien, die das Gegenteil behaupten, ebenfalls als Propaganda abtun. Es gibt Studien, die von beiden Seiten verfälscht wiedergegeben werden, als auch Studien von beiden Seiten, die sich den Vorwurf der gezielten Manipulation gefallen lassen müssen. Was früher der Tabakindustrie vorgeworfen wurde, nämlich die Verharmlosung des Rauchens, muss nun den Rauchgegnern vorgeworfen werden, nämlich dass sie die Gefahren des Rauchens bzw. Passivrauchens über Gebühr aufbauschen.

Das gestrige “Volksurteil” zeigt vor allem zweierlei: 1.) den Sieg der Bequemlichkeit, und 2.) den Sieg der Intoleranz.

Zu 1.): wenn es tatsächlich um die Gesundheit ginge, und das Passivrauchen, d.h. das Einatmen von gesundheitsgefährdenden Partikeln, tatsächlich so ungesund ist, wie von der Nichtraucher-Lobby immer wieder behauptet, dann müsste man auch dem größten Giftgasemmitenten zu Leibe rücken, nämlich dem Automobil. Das Automobil verbreitet dabei nicht nur millionenfach hochgiftige Abgase, denen man sich nirgendwo entziehen kann, sondern gefährdet das Leben und die Gesundheit der Menschen durch Verkehrsunfälle. Hier siegt eindeutig die Bequemlichkeit. Es ist in der Tat wesentlich bequemer mit einem eigenen Auto, anstatt mit öffentlichen Verkehrsmitteln oder dem Fahrrad zu fahren, vom Laufen mal ganz abgesehen. Da ist es wesentlich bequemer etwas zu bekämpfen, von dem man nicht abhängig ist, und seine eigene Abhängigkeit (hier vom Automobil) bagatellisiert, auch wenn der verursachte Schaden deutlich über dem vom Rauchen liegt.

Zu 2.) ich verstehe diese unglaubliche Intoleranz nicht: wenn unsere Gesellschaft partout das Nichtrauchen fördern will, soll sie ganz einfach für Nichtraucherkneipen-, -lokale, -diskos, etc. Steuervergünstigungen anbieten, finanziert durch die Tabaksteuer. Wo es eine Nachfrage (laut Nichtraucher-Lobby) gibt, bleibt das Angebot nicht aus. Wenn keine Nichtraucherkneipen in der Ortschaft vorhanden sind, gibt es zwei Möglichkeiten: entweder gibt es keine, oder nur eine sehr geringe Nachfrage, oder jemand hat eine Geschäftsidee verpasst. Auch die strikte Ausweisung als “Raucherlokal” wird nicht toleriert, getrennte Räumlichkeiten genausowenig wie funktionierende Entlüftungsanlagen.

Unabhängig davon wie schädlich Passivrauchen tatsächlich ist, sollte man hier nicht in ein schwarz-weiß Muster verfallen. Hier geht es eben nicht um die Gesundheit, sondern um Kontrolle. Den Menschen wird durch die Volksabstimmung in Bayern, und auch in anderen Ländern, suggeriert, dass das System noch funktioniert. Gleichzeitig kann man wunderbar von den eigentlichen Problemen ablenken, und ein weiterer Vorteil liegt auch auf der Hand: indem man das Volk spaltet (morgen sind vielleicht bereits die Übergewichtigen dran) verhindert man ein Aufbegehren durch bspw. einen saftigen Wahldenkzettel.

Verblüffend ist und bleibt, wie selbst normalerweise kritische Stimmen, die sonst der Regierungs- und Medienpropaganda sowie den Lobbyisten argwöhnisch bis ablehnend gegenüberstehen, auf einmal alles schlucken, was man ihnen vorsetzt. Es entwickelt sich daraus stellenweise ein Fanatismus, der seines gleichen sucht. Der gesellschaftliche Aspekt der steigenden Reglementierung und dadurch steigenden Entmündigung wird dabei auch gerne vernachlässigt.

Was bleibt: eine sich selbst zerfleischende Bevölkerung sowie Politker und andere Profiteure, die sich ins Fäustchen lachen können.
Das “witzigste” dabei ist: ein Hamburger ist so schädlich wie Passivrauchen (Link und Lesebefehl).

Also “Null Toleranz” als Gesellschaftsmodell? Klingt erstmal gut, ist es aber nicht. Oder machens wir einfach anders rum: Zero Tolerance für unsere politischen und wirtschaftlichen Eliten.

Markus Ernst

Wahlgroteske

Es wird wieder einmal “gewählt”. Im Unterschied zu den normalerweise stattfinden Wahlen wird heute der Bundespräsident “gewählt”. Wie wir alle bereits jetzt wissen, wird der neue Bundespräsident Wulff heißen. Auch bei den letzten Bundespräsidentenwahlen wußte man bereits vorher, wer es werden wird. Nur: Warum nennt man etwas eine Wahl, was de facto keine ist? Weil es wie eine ausschauen soll.

Bei den diversen sonstigen Wahlen in unserem Lande hat der Wähler immerhin die Wahl, von wem er sich hinters Licht führen lässt. So ist keineswegs sicher, welche Parteienkonstellation die Regierungsmehrheit in den Kommunal- Landes- oder Bundestagswahlen erhält. Das liegt wohl in unserem Wahlrecht begründet, nach dem unter anderem eine freie Wahl als demokratische Errungenschaft gilt, der Wähler also unbeeinflusst seine Stimme abgeben darf.

Interessant ist dabei, dass dieses demokratische Grundrecht, obwohl in der Verfassung verankert, bei unseren Damen und Herren Abgeordneten keine Berücksichtigung findet. Vielmehr wird durch die jeweilige Partei bestimmt, wie sich die einzelnen Abgeordneten einer Partei zu entscheiden haben. Einige wenden da bestimmt zurecht ein, dass es nicht überraschend sein kann, dass in einer (Parteien)diktatur demokratische Grundrechte der Parlamentarier je nach Gusto des jeweiligen großen Vorsitzenden eingeschränkt bzw. aufgehoben werden können.

Trotzdem wird heute wieder einmal der Bundespräsident “gewählt” werden, weil man eben dem Protokoll gerecht werden muss. Alleine das Wort Wahl impliziert ja bereits die Möglichkeit für den Wählenden sich für eine von mehreren Möglichkeiten zu entscheiden. Was für den gemeinen Wähler noch eine gewisse Gültigkeit besitzt, auch wenn es an der Politik nichts ändert, verkommt bei Politikern, die wählen sollen, zur Groteske.

Angeblich aus historischen Gründen haben unsere “Gründungsväter” eine Direktwahl des Bundespräsidenten ausschliessen wollen, da sie eine Wiederholung der Geschichte aus der Weimarer Republik verhindern wollten. Was für ein starker Tobak. Ein Bundespräsident, der nur zum repräsentieren und zum Unterschreiben der Gesetze zuständig ist kann, egal über welche Rhetorik und Charisma er auch verfügen mag, keinen nennenswerten Schaden anrichten; der wird vorher einfach abgesägt bzw. entfernt. Nichts desto Trotz haben sich unsere “Gründungsväter” dazu entschlossen, ihn formal durch die Bundesversammlung “wählen” zu lassen. Die Mitglieder der Bundesversammlung sind zwar offiziell nicht an Aufträge und Weisungen gebunden, wir wissen aber, dass dies natürlich ignoriert wird.

Halten wir fest: unsere Bundesregierung hat Herrn Wulff zum neuen Bundespräsidenten ernannt!

Da muß ich mich allerdings fragen: wozu dieser ganze Budenzauber? Gab es je einen Bundespräsidenten, der von der Opposition vorgeschlagen wurde? Warum schlägt die Opposition überhaupt Gegenkandidaten vor? Nur, um den Schein zu wahren?

Mein Vorschlag: die jeweilge Bundesregierung, die zum “Wahltermin” des Bundespräsidenten herrscht, ernennt den Bundespräsidenten ganz einfach per Kabinettsbeschluß. Das wäre für unsere Form der Demokratie auch nicht weiter schädlich, würde doch lediglich die gängige Praxis zum offiziellen Akt werden. Die Bundeswehrmusiker würden zur Amtseinführung weiterhin musizieren, Hinz und Kunz dem neuen Präsidenten gratulieren (ich wollte schon kondolieren schreiben), d.h. die ganze Show für die Eliten und die Medien, sowie die interessierten Bürger bliebe erhalten, man würde lediglich auf dieses unwürdige Spektakel verzichten, das man hierzulande Wahl nennt.

Es gibt Momente, da beneide ich Länder, deren Staatsoberhaupt ein König bzw. eine Königin ist: man weiß wer als nächstes kommt (unbeeinflusst von der Politik), die repräsentativen Aufgaben werden ohne größeres Aufsehen erledigt, und gelegentlich präsentiert sich das Staatsoberhaupt dem gemeinen Volk zur Unterhaltung, und generiert dadurch auch noch Einnahmen. Von der ganzen Branche der Hofberichtserstattung etc., die zudem viele Arbeitsplätze schafft, mal ganz zu schweigen.

Aber nein, wir müssen unbedingt eine Wahl inszenieren die soviel mit einer demokratischen Wahl zu tun hat, wie die freie Gewissensentscheidung unserer Parlamentarier mit ihrem tatsächlichen Abstimmungsverhalten.

Markus Ernst

Videobeweiß im Fußball

Zur Zeit herrscht ja wieder einmal König Fußball über die Nation. Mal ganz abgesehen von der Instrumentalisierung des Fußballs durch die Politik, und die dadurch erhofften Nebenwirkungen, wie von den eigentlichen Problemen abzulenken, habe ich nach den letzten paar Partien mir schon wieder einmal, sowie auch schon die WMs zuvor, die Frage gestellt, wer denn nun die Schiedsrichter zur Rechenschaft zieht.

Ein Schiedsrichter sollte unauffällig sein, und den Spielfluss aufrechterhalten, und nicht jeden harmlosen Zweikampf mit einer gelben Karte ahnden, und sich so in den Mittelpunkt zu stellen.

Erstes Beispiel heute, Deutschland – Serbien:

der Schiedsrichter hatte die Meßlatte der mit Gelb zu ahndenden Fouls sehr niedrig angelegt, so niedrig, dass es stellenweise grotesk anmutete. Sei dem so. Dann muss der Schiri allerdings auch das Ganze konsequent so weiterpfeifen. Schweinsteiger hätte nach seinem üblen Einsteiger genauso vom Platz gehört wie der Serbe, der gegen Ende der Partie am eigenen Strafraum Gomez übel zusammengetreten hatte; Schweinsteiger blieb unbehelligt, und der Serbe hat für sein übles Foul auch noch einen Freistoß geschenkt bekommen.

Zweites Beispiel heute, USA – Slowenien:

der Schiri machte über die meiste Zeit des Spiels einen souveränen Eindruck, bis er zum Ende des Spiels aus nicht nachvollziehbaren Gründen einen Treffer der USA aberkannte: es war nicht einmal abseitsverdächtig, und die einzigen, die Fouls begingen, waren die Slowenen. Zur Not konsultiert man die beiden Assistenten.

Drittes Beispiel vorgestern, Südafrika – Urugay:

Der Schiri hatte über die meiste Zeit Südafrika eindeutig bevorteilt, schlimme Fouls nicht geahndet, bis er gegen Ende des Spiels, als von Südafrika nichts mehr kam, dem südafrikanischen Torhüter die rote Karte zeigte.

Folgen für die Schiedsrichter sind, jedenfalls unmittelbar, nicht vorgesehen, bzw. wirken sich erst in der Zukunft aus. Wenn ein Spieler während eines Spiels eine regelwidrige Aktion wie ein schweres Foul, oder auch eine Schwalbe macht, die vom Schiedsrichter nicht bemerkt wurde, wird der Spieler nachträglich bestraft.

Warum unterzieht man nicht nachträglich das Spiel einer Analyse und sucht gezielt nach Verfehlungen des Schiedsrichters? Im Falle des Spiels USA – Slowenien könnte man entweder nachträglich das Tor anerkennen, was wohl nicht gemacht wird, oder den Schiedsrichter zu einer empfindlichen Strafe verdonnern, und zwar zu so einer empfindlichen, dass alle anderen Schiedsrichter abgeschreckt würden; kommt natürlich ebenfalls nicht.

Was man allerdings sehr wohl machen könnte, und was auch schon in anderen Sportarten Gang und Gebe ist: die Einführung des Videobeweißes!
Und, warum kommt der nicht? Weil der Fußballdiktator Sepp Blatter es nicht will. Das passt zur FIFA wie die Faust aufs Auge!

Wir können ähnliches in der Politik beobachten: Transparenz ist nicht erwünscht. Gut, in der Politik ist klar, warum nicht, aber ausgerechnet im Fußball? Die Machtposition der FIFA würde nicht tangiert, trotzdem wird dieser Beweiß immer wieder strikt abgelehnt.

Die Erfahrung zeigt allerdings, dass wenn Änderungen scheinbar grundlos abgelehnt werden, soll etwas vertuscht werden. Da frage ich mich natürlich schon, was die FIFA vertuschen möchte, wenn sie den Videobeweiß kategorisch ablehnt. Mir persönlich fällt da immer gleich ein Grund ein, der mir im Laufe jeder Weltmeisterschaft wieder auffällt: wer hat ein Interesse an unverückbaren Schiedsrichterentscheidungen, die nicht revidiert werden können? Da fällt mir doch auf Anhieb die Wettmafia ein.

Das klingt natürlich gleich nach einer VT, nur nach den Erfahrungen auf nationaler und europäischer Ebene mit Wettskandalen darf man sich wohl zurecht fragen, warum ausgerechnet die WM davon verschont bleiben sollte. Gewettet wird weltweit, d.h. es wird garantiert versucht auf die Schiedsrichter, sicherlich auch auf einige Spieler, einzuwirken. Die Weigerung der FIFA den Videobeweiß einzuführen begünstigt auf alle Fälle die Interessen der Wettmafia. Vielleicht hat die FIFA da weitreichende Vereinbarungen, und wird am Gesamtwettumsatz beteiligt; wundern würde es mich jedenfalls nicht.

Zusammenfassung: die Spiele sind zum Teil wirklich attraktiv, und es macht dann auch Spaß zuzuschauen. Leider wird dies durch die Tatsachenentscheidungen zum Teil massiv getrübt. Ich werde mir auch weiterhin viele Spiele anschauen, auch wenn manche Entscheidungen mir die Galle hochkommen lassen.

Lösung: ENDLICH den Videobeweiß einführen. Vorschläge, wie der praktikabel zu handhaben ist, gibt es reichlich. Je länger sich die FIFA weigert, desto bedenklicher. Vielleicht hat ja die UEFA, oder gar der DFB, das Rückgrat diesen Beweiß für ihre Ligen einzuführen.

Markus Ernst

Wir sparen die Gesellschaft zu Tode

Das war ja wieder einmal klar: Menschen verursachen Kosten. Also echt, das ist echt ein dickes Ding!

Das Credo in der heutigen Zeit lautet ja: Sparen, koste es, was es wolle!

Da wird mit minimaler Personaldecke gearbeitet, um Kosten zu sparen. Dabei geht zwar ein vielfaches an Umsatz verloren, aber hauptsache gespart. Da wird uns vorgerechnet, wieviel Kosten die Blähungen von Kühen verursachen, was uns das Instanthalten der Infrastruktur vom Geldbeutel abzwackt, und ganz aktuell wieviel Geld Gewalt kostet; die Liste lässt sich beliebig fortführen.

Was dabei geflissentlich verschwiegen wird ist, dass die Kosten etwas ganz natürliches sind, und dass die Kosten der einen die Gewinne der anderen sind. Anders ausgedrückt: wenn es von heute auf morgen keine Gewalt mehr gäbe, würden sehr viele Unternehmen Pleite gehen, und noch mehr Menschen auf der Straße sitzen, die zudem weniger Geld für den Konsum hätten.

Das Beispiel am Thema der Gewalt festzumachen hat sich nur so ergeben, und lässt sich auf jedes andere Kostenphänomen übertragen. Zum Beispiel das Thema Verkehr: der Straßenverkehr ruiniert die Infrastruktur und verursacht zudem immense Kosten für die Gesundheitssysteme. Die positiven Aspekte werden auch hier natürlich ausgeblendet.

Es ist natürlich im Prinzip nichts dagegen einzuwenden, unnütze Kosten zu minimieren. Wenn nun allerdings alle anfangen alle Kosten zu senken, wird eine Abwärtsspirale in Gang gesetzt, die sich nur schwerlich aufhalten lässt. Wir leben nun einmal in einer kapitalistischen Gesellschaft, in der alles in Geld ausgedrückt wird. Auch wird unsere Gesellschaft gerne als Konsumgesellschaft bezeichnet. Nur ohne Geld funktioniert das nicht. Wenn Firmen, der Staat und andere die Kosten senken heißt das im Klartext, dass es kein Wachstum gibt, dass ja ein weiteres Mantra unserer Gesellschaft ist, vielmehr schrumpft die Volkswirtschaft. Zudem werden die Einsparungen meistens ein Opfer haben: die Mehrheit der Bevölkerung.

Deutschland zum Beispiel schrumpft. Grund ist, dass zu wenig Kinder in unserer Gesellschaft geboren werden. Versuche dies zu ändern verlaufen bestenfalls halbherzig. An der Alternative das Schrumpfen durch verstärkte Immigration auszugleichen scheitern unsere Politiker bereits seit Jahrzehnten. Wie soll also Wachstum stattfinden, wenn die Einwohnerzahl schrumpft, und die Gesellschaft überaltert?

Genau dies ist ein kritischer Punkt: da werden massive Kosten auf uns zukommen, es werden allerdings keine Investitionen vorgenommen, um diesem Problem angemessen zu begegnen. Nicht die Kosten sind das Problem, sondern mangelnde Investitionen. Es ist auch nicht das Problem, dass zu wenig Geld da ist, sondern die Verteilung des Geldes. Anstelle den aktuellen Problemen mit neuen Ideen zu begegnen, wenden unsere Eliten die Lösungen von vorgestern an, um letztendlich ihre eigenen Pfründe zu sichern. Dies ist allerdings zu kurzfristig gedacht, denn eine Elite ohne solides Fundament kann nicht existieren.

Das Nichtinvestieren ist wohl einer der Hauptgründe für die aktuelle Sparwelle: im Kapitalismus ist das Geld für den Wirtschaftskreislauf da, und nicht für die Schatzbildung. Da also immer weniger Geld (prozentual) in die Realwirtschaft investiert wird, müssen, um ein Wachstum vorzugaukeln, alle möglichen Kosten gesenkt werden. Die Auswirkungen habe ich oben beschrieben.

Vom gesellschaftlichen Auftrag an die Eliten mal ganz abgesehen: wie borniert muss man eigentlich sein, um wie aktuell weiterzumachen?

Markus Ernst