Krisenmanagement
Es mutet auf den ersten Blick ein bisschen unheimlich an: der Autoindustrie, sowie deren Zulieferern als auch dem Maschinenbau, brechen die Aufträge in Rekordhöhe weg. Ein Grund unter anderem ist wohl die Abwrackprämie, durch die viele Autokäufer ihre Investition vorgezogen haben.
Man kann natürlich auch sagen, dass die Menschen immer weniger Geld zum Konsumieren haben. In der jüngeren Vergangenheit wurden ja Unternehmensgewinne (zu) oft über Personalabbau realisiert, bzw. durch Verlagerung der Produktion ins Ausland. De facto bedeutet dies, dass hier immer weniger Menschen genügend Geld haben, um auch Güter zu kaufen, die nicht zum Überleben benötigt werden.
Natürlich „freuen“ sich die Menschen in anderen Ländern, die z.T. unter schlimmen Bedingungen leben darüber, dass sie nun Arbeit haben. Das ganze nennt man dann Globalisierung, d.h. das Geld wandert von einem „Hoch“ zu einem „Tief“. Allerdings setzt dies freie Märkte voraus, um wirklich zu funktionieren. Die Wirklichkeit spricht aber eine andere Sprache: angefangen von Wirtschaftsbarrieren (Zölle, Protektionismus, Export- Importverbote, Subventionierung, etc.) über Ausbeutung der menschlichen Arbeitskraft sowie der Kapitalkonzentrierung in den jeweiligen Eliten.
In letzter Konsequenz bedeutet dies, dass die Lebensbedingungen der „unteren Klassen“ sich weltweit angleichen, d.h. wir werden vielleicht auch bald Wanderarbeiter haben, die sich für einen Hungerlohn verdingen müssen. Auf den ersten Blick erscheint dies nur als fair, denn warum soll es einem Arbeitslosen in Deutschland wesentlich besser gehen als einem Arbeitslosen in bspw. China oder Kalkutta?
Ein Problem ist m.E. die Existenz von Nationalstaaten. Diese sind genaugenommen dazu da, die Interessen der jeweiligen Landesbewohner, also deren Souverän (von Monarchien wie UK mal abgesehen), zu vertreten. Nun wissen wir seit geraumer Zeit, dass die jeweiligen Volksvertreter die Interessen des Kapitals, und nicht des Souveräns berücksichtigen. Zudem meint jeder Nationalstaat, dass es ohne ihn nicht ginge, was dirkete Konsequenzen bei der Lösungssuche hat. Die Folge sind Kompromisse, die per Definition keine Lösung darstellen können.
Den Reichen ist es folglich egal, wo sie ihr Geld verdienen, da die Politiker jeden Landes die gleiche Sprache sprechen, nämlich die des Geldes, und je größer ein Nationalstaat ist, desto besser, da dort der Erhalt existierender Strukturen leichter zu bewerkstelligen ist.
Fakt ist und bleibt, dass es auf der Welt genügend Ressourcen gibt, um alle Menschen nicht nur zu ernähren, sondern auch in Würde leben zu lassen. Viele sagen jetzt: ja, aber…. Ja, aber der Mensch muss etwas für die Gesellschaft tun. Das Problem ist, dass er oft gar nicht die Möglichkeit erhält, etwas dafür zu tun, bzw. dass das, was als notwendig erachtet wird, nichts mit tatsächlichen Notwendigkeiten zu tun hat.
Ein weiterer Punkt ist die Entlohnung für die jeweilige Tätigkeit. Warum z.B. erhält ein Vorstand Millionengehälter & Boni? Für was genau? Oft heißt es dafür, dass ein Vorstand viel Verantwortung hat. Wie wir jüngst in großem Ausmaß erleben durften, beschränkt sich die Verantwortung auf den Erfolgsfall. Falls etwas falsch gemacht wurde, wird die Verantwortung verneint. Bestes deutsche Beispiel ist Herr Mehdorn: als Vorstandsvorsitzender war er theoretisch für alle Aktivitäten der DB verantwortlich. Im Rahmen der Spitzelaffäre hat er jedoch diese Verantwortung verneint, und hat dafür auch noch Rückendeckung von Frau Merkel bekommen.
Andere Unternehmenslenker haben ihre Firma in die Pleite getrieben oder ihr großen finanziellen Schaden zugefügt, und dafür großzügige Abfindungen erhalten. Bei allem nötigen Respekt, ich hätte dies auch geschafft, und vermutlich deutlich billiger!
Zurück zum Arbeitsmarkt: wir leben in einer sogenannten globalisierten Welt, die in viele Nationalstaaten eingeteilt wird. So wie das Kapital nahezu ungehindert überall hin wandern kann, können es die abhängig Beschäftigten nicht. Entweder liegt es am mangelnden Geld, an Sprachkenntnissen, oder an anderen Hürden, die von Staat zu Staat unterschiedlich sind. Anders ausgedrückt: ein deutscher Hartz IVler wird so gut wie nie einen Job in den USA, China, Russland, oder selbst in einem der Nachbarländer bekommen. Dafür darf er in Deutschland 1 Euro-Jobs erledigen, also Arbeiten, die für Unternehmen unwirtschaftlich sind, bzw. wofür sich Firmen vom Staat subventionieren lassen. Dabei übt ein HIVler als Tomatenpflücker oder Blockwart immer noch eine sinnvollere Arbeit aus, als ein Vorstandsmitglied.
Dies führt mich wieder über das bedingungslose Bürgergeld in eine utopische Zukunft: warum lässt man nicht alle Arbeiten, die zum Überleben notwendig sind, von Maschinen ausüben, oder noch besser: warum lässt man nicht „nur“ Maschinen arbeiten, und jeder macht das, was er als sinnvoll erachtet? In dem Kontext gibt es natürlich auch keine Nationalstaaten mehr, allenfalls regionale Selbstverwaltungen.
Anstelle dessen wird versucht zu retten, was nicht mehr zu retten ist, hier die Automobilindustrie. Die Weiterentwicklung des Autos, was einen Kauf rechtfertigen würde, stagniert schon seit geraumer Zeit. Die Weiterentwicklung ist weitestgehend zum Stillstand gekommen, stattdessen wird versucht, die Kuh noch weiter zu melken. Dafür, und auch für den Finanzsektor bspw., wird enorm viel Geld in die Hand genommen. In den nächsten vier bis fünf Jahren wird die Verschuldung von Deutschland um 500 Milliarden Euro zunehmen, d.h. es fallen jährliche Zinszahlungen in Höhe von 80 Milliarden Euro an, ein sechstel des heutigen Steueraufkommens!
Die Exesse der Eliten zahlt also der Steuerzahler, dessen Zahl immer weiter sinkt, in Folge dessen die Steuern immer weiter ansteigen. Mögliche Auswirkungen in der Zukunft lassen sich aktuell in Kalifornien bewundern: auf Grund des Haushaltslochs wird vor allem in den Bereichen Gesundheitswesen, Bildung und Soziales gespart. Der Staat zieht sich aus diesen Aufgaben immer weiter zurück, und überlässt dieses Terrain immer mehr der Wirtschaft, die ja nur ihre Zahlen im Kopf hat.
Was ist also sinnvoller: die Teile der Wirtschaft aufzugeben, die ihre Daseinsberechtigung verloren haben, oder genau in diese Teile immer mehr Geld zu pumpen? Ein Herrschafts- und Machtsystem zu erhalten, dass in den Abgrund führt, oder einen politischen und wirtschaftlichen Neuanfang zu wagen?
Die Antworten kennen wir, und die politische Weichenstellung nun ebenfalls, nachdem das Bundesverfassungsgericht den Vertrag von Lissabon durchgewunken hat.
Markus Ernst
Posted: Juli 2nd, 2009 under Gedanken, Gesellschaft, Kommentar, Wirtschaft.
Comments: 1