Es ist wieder einmal so weit: Neuwahlen stehen ins Haus. Was ist passiert? Hessen hatte genug von Roland Koch, und hat ihm die rote Karte gezeigt. Im Gegensatz zu Bayern, wo Herr Beckstein die Botschaft verstanden hat, hat sich unser hessischer Schwarzgeldverwalter einfach geweigert das zu akzeptieren. Sämtliche Koalitionsgespräche sind im Endeffekt an Herrn Koch und der CDU gescheitert, da er im Wahlkampf zu viel Porzellan zerbrochen hatte, und die CDU nicht bereit war, auf ihn zu verzichten. Die FDP hat sich auch nicht gerade mit Ruhmeslorbeeren bedeckt, sieht sie sich doch als liberaler Parteiflügel der CDU und nicht als eigenständige Partei.
Daher sah sich Frau Y. in der Lage mit der LINKEn zu paktieren zu müssen, um den Wählerauftrag doch noch auszuführen, nämlich Herrn Koch abzulösen. Das passte aber wiederum der eigenen Partei nicht, wir erinnern uns an Frau Metzger, und inzwischen die drei neu dazugestossenen. Die CDU tat zu dem alles Mögliche und Nötige, um die SPD in den Medien als nicht regierungsfähig hinzustellen, wobei die Medien freudig mitgemacht haben. Die Medien gefallen sich nämlich darin nicht nur auf den Meinungsbildungsprozess, sondern auch auf die Regierungsbildung massiven Einfluß auszuüben. Da werden auf einmal gebrochene Wahlkampfversprechen zu einer großen Belastung, was bei anderen als pragmatischer Umgang gepriesen wird. Man erinnere sich nur an Herrn Augstein, dessen Ziel es war mit seinem Blatt die Wahl von FJS zum Bundeskanzler zu verhindern. Die Medien, die berühmt berüchtigte vierte Macht im Staat, geht zum Teil sehr egoistisch mit ihrer Verantwortung, die sie durch ihre Macht hat, um.
Da wird nicht mehr versucht die Politik und Wirtschaft und deren Fehler zu analysieren und zu präsentieren, sondern sie werden zu einem Teil dieses Apparates, und haben somit auch ihre Berechtigung derartige Macht zu besitzen verloren. Natürlich geben sie diese Macht nicht ab, wissen wir doch alle, wie die meisten Menschen handeln, wenn sie einmal Macht haben: sie wollen noch mehr Macht haben, und viele werden so auch korrupt. So werden wir von den meisten Medien den lieben langen Tag belogen und betrogen, und diese, zusammen mit ihren Politikerfreunden, wundern sich ob der allgemeinen Politikverdrossenheit.
Wen wunderts, denn was gerade hier in Hessen passiert heißt doch ganz klar: wir lassen euch so lange wählen, bis uns das Ergebnis passt, bis alle Eitelkeiten berücksichtigt worden sind. CDU/SPD/FDP/GRÜNE sind schon derart beliebig austauschbar geworden, dass es fast schon keine Rolle mehr spielt, wen man wählt. Frau Y. machte da eine Ausnahme, was wahrscheinlich auch der Grund war, warum sie in einer konzertierten Aktion demontiert wurde. Man möchte keine Experimente eingehen, da man nicht weiß, wie es ausgehen wird.
Das ist übrigens auch der Grund, warum sich in den USA nichts ändern wird, aber das nur am Rande.
Warum wählen wir denn überhaupt? Warum sollen wir eine Entscheidung treffen, die sowieso nicht akzeptiert wird, falls sie nicht passt? Wozu sollen Wahlen denn überhaupt gut sein? Naja, sie sind dafür gut den Menschen das Gefühl zu vermitteln, dass ihre Meinung etwas zählt. Wir könnten aber viel Geld sparen, wenn wir den ganzen Kokolores names Wahlen und Parteien einfach weglassen. Herr Koch ernennt sich einfach zum Diktator auf Lebenszeit, und wir haben dann unsere Ruhe. Falls er es übertreibt, wird er einfach außer Landes gejagt, und man sucht sich einen neuen, der es macht.
So wäre die nötige Kontinuität hergestellt, die Politiker wären nicht im ständig vorherrschenden Wahlkampf, und es gäbe auch keine Wahlkampfversprechungen mehr. Ich weiß, dass dieses Modell nicht sehr populär ist, aber es ist wesentlich ehrlicher, und unterscheidet sich nicht wesentlich im Wesentlichen. Wahlweise kann man ja auch eine Monarchie wieder einführen, weil ja gerade der Begriff der Diktatur vorbelastet ist.
Markus Ernst