Geschäftsmodelle
Medienvertreter, vor allem in den USA, aber auch hier in Deutschland, lassen wieder einmal ihrem Unmut freien Lauf. Warum? Sie sind noch nicht im 21. Jahrhundert angekommen. Der Feind? Google. Natürlich.
Zum einen regen sich die Buchhändler darüber auf, dass Google ihnen die Arbeit des Digitalisierens abnehmen möchte, und zwar, weil sie dies gar nicht wollen. Der Buchhandel hat Sorge, dass Google ihnen die Umsätze wegnimmt, und die Autoren leer ausgehen. Nun hat sich Google fast mit dem amerikanischen Buchhandel geeinigt, so dass es unterschiedliche Vergütungsmodelle gibt. Davon mal abgesehen leistet Google hier wichtige Arbeit: viele der (noch) urheberrechtlich geschützten Werke sind gar nicht mehr erhältlich. Die Sorge gilt also weniger dem Digitalisieren selbst, sondern dass Google damit Geld verdient, und natürlich dass es ausgerechnet Google ist. Zum anderen regen sich generell Rechteinhaber, bzw. deren Vertreter, reflexartig über jeden auf, der womöglich Rechte verletzt, auch wenn selber mit diesen kein Umsatz (mehr) erzielt wird. Hier geht es ebenfalls ums Prinzip, also wer das Geld bekommt.
Wer ist eigentlich Google? Google ist ein Marktteilnehmer mit einem funktionierendem Geschäftsmodell. Es funktioniert sogar so gut, dass es eine der erfolgreichsten Firmen überhaupt geworden ist. Dies konnte geschehen, da sich Google niemals auf erreichtem ausgeruht hat, sondern sich, ganz nach dem Kapitalismus, immer weiter entwickelt und so immer weiter gewachsen ist. Google bietet das meiste unentgeltlich an. Zahlen tut die Werbewirtschaft. Damit diese das weiterhin tut, und damit Googles Einnahmen auch weiterhin wachsen können, was sie ja auch müssen, versucht Google die Werbeeinnahmen durch User-spezifische Werbung zu erhöhen. Es wird also genau das gemacht, was hier, und vor allem in den USA, auch von den anderen Industrien gemacht wird.
Google investiert ja die Gewinne auch. Es gibt Google-Maps, Google Earth, auch in 3D (was ja zum Teil versucht wird zu verhindern), YouTube, etc., und das alles für den User kostenlos, und schafft zudem auch noch Arbeitsplätze. Viele, die sich über Google aufregen, profitieren doch in letzter Konsequenz davon. Nachrichtenseiten davon, dass sie überhaupt gefunden werden, Verlage, dass ihre Erzeugnisse gelesen werden. Nicht umsonst setzt fast jede Web-Präsenz, vor allem Nachrichtenportale und Online-Zeitungen, SEO-Werkzeuge ein (ich übrigens nicht).
Das Problem ist, dass Google vorher die Ideen hat, und das diese besser sind, als die der jeweiligen Rechteinhaber jemals sein werden; trotzdem möchten die Rechteinhaber dann den ganzen Kuchen und sich nicht mit einem Teil zufrieden geben. Sie haben immer noch nicht verstanden, dass es ohne Google gar keinen Kuchen gäbe, und das Google auch keine gemeinnützige Einrichtung ist. Anstelle mit Google gemeinsam Geschäfte zu machen wird viel Geld in Rechtstreitigkeiten investiert, wovon natürlich besonders in den USA die zahllosen Rechtsanwälte profitieren. Die Verlage und anderen Rechteinhaber sollten mal lieber von ihrem hohen Roß runterkommen und sich den Bedürfnissen der Informationsgesellschaft stellen.
Googles Philosophie alle vorhandenen Informationen jedem kostenlos elektronisch zur Verfügung zu stellen entspricht übrigens genau einer Grundvoraussetzung in den Wirtschaftswissenschaften: die vollständige Information aller Marktteilnehmer. Ich persönlich bin überzeugt, dass die kostenlose zur Verfügungstellung aller Informationen ein Grundrecht jedes Menschen ist. Da in unserem Gesellschaftssystem alles am Geld hängt halte ich es auch nicht für verkehrt, wenn die anderen Marktteilnehmer dies über ihre Werbeausgaben, so wie den Rest auch (Sport, “Free”-TV, etc.) finanzieren.
Google selbst bietet die nötige Transparenz, und die User können auch die Protokollierung ihrer Surfgewohnheiten einstellen. Ich bleibe dabei: Google ist eine tolle Firma, die sich genau so verhält, wie es unser Wirtschaftssystem erwartet, also die notwendigen Schritte konsequent umsetzt. Die Content-Industrie hingegen stemmt sich gegen den Fortschritt und verharrt in überholten Geschäftsmodellen. Wachstum findet nicht mehr statt. Wenn die Content-Industrie ihr Geschäftsmodell nicht ändert, dann ist die Frage nicht ob, sondern wann sie vom Markt verschwindet, da Google dann ihre Rolle übernehmen wird, und dies vermutlich wesentlich besser.
Markus Ernst
Quellen:
Posted: April 6th, 2009 under Gesellschaft, Kommentar, Netzwelt, Wirtschaft.
Comment from Heiko Zaenker
Time 13. April 2009 at 10:10
Google hat ein durchschlagendes Argument: Google verdient im Internet Geld. Google verdient letzten Endes mit Inhalten Geld. Die “Hersteller” dieser Inhalte sind sauer, weil sie nicht das Geld verdienen. Die Lösung kann aber nicht sein, dass Google auch kein Geld mehr verdient. Die Hersteller der Inhalte und die Suchmaschinen müssen ein gemeinsames Geschäftsmodell entwickeln. Sonst gibt für beide keine Zukunft.