Wir sparen die Gesellschaft zu Tode
Das war ja wieder einmal klar: Menschen verursachen Kosten. Also echt, das ist echt ein dickes Ding!
Das Credo in der heutigen Zeit lautet ja: Sparen, koste es, was es wolle!
Da wird mit minimaler Personaldecke gearbeitet, um Kosten zu sparen. Dabei geht zwar ein vielfaches an Umsatz verloren, aber hauptsache gespart. Da wird uns vorgerechnet, wieviel Kosten die Blähungen von Kühen verursachen, was uns das Instanthalten der Infrastruktur vom Geldbeutel abzwackt, und ganz aktuell wieviel Geld Gewalt kostet; die Liste lässt sich beliebig fortführen.
Was dabei geflissentlich verschwiegen wird ist, dass die Kosten etwas ganz natürliches sind, und dass die Kosten der einen die Gewinne der anderen sind. Anders ausgedrückt: wenn es von heute auf morgen keine Gewalt mehr gäbe, würden sehr viele Unternehmen Pleite gehen, und noch mehr Menschen auf der Straße sitzen, die zudem weniger Geld für den Konsum hätten.
Das Beispiel am Thema der Gewalt festzumachen hat sich nur so ergeben, und lässt sich auf jedes andere Kostenphänomen übertragen. Zum Beispiel das Thema Verkehr: der Straßenverkehr ruiniert die Infrastruktur und verursacht zudem immense Kosten für die Gesundheitssysteme. Die positiven Aspekte werden auch hier natürlich ausgeblendet.
Es ist natürlich im Prinzip nichts dagegen einzuwenden, unnütze Kosten zu minimieren. Wenn nun allerdings alle anfangen alle Kosten zu senken, wird eine Abwärtsspirale in Gang gesetzt, die sich nur schwerlich aufhalten lässt. Wir leben nun einmal in einer kapitalistischen Gesellschaft, in der alles in Geld ausgedrückt wird. Auch wird unsere Gesellschaft gerne als Konsumgesellschaft bezeichnet. Nur ohne Geld funktioniert das nicht. Wenn Firmen, der Staat und andere die Kosten senken heißt das im Klartext, dass es kein Wachstum gibt, dass ja ein weiteres Mantra unserer Gesellschaft ist, vielmehr schrumpft die Volkswirtschaft. Zudem werden die Einsparungen meistens ein Opfer haben: die Mehrheit der Bevölkerung.
Deutschland zum Beispiel schrumpft. Grund ist, dass zu wenig Kinder in unserer Gesellschaft geboren werden. Versuche dies zu ändern verlaufen bestenfalls halbherzig. An der Alternative das Schrumpfen durch verstärkte Immigration auszugleichen scheitern unsere Politiker bereits seit Jahrzehnten. Wie soll also Wachstum stattfinden, wenn die Einwohnerzahl schrumpft, und die Gesellschaft überaltert?
Genau dies ist ein kritischer Punkt: da werden massive Kosten auf uns zukommen, es werden allerdings keine Investitionen vorgenommen, um diesem Problem angemessen zu begegnen. Nicht die Kosten sind das Problem, sondern mangelnde Investitionen. Es ist auch nicht das Problem, dass zu wenig Geld da ist, sondern die Verteilung des Geldes. Anstelle den aktuellen Problemen mit neuen Ideen zu begegnen, wenden unsere Eliten die Lösungen von vorgestern an, um letztendlich ihre eigenen Pfründe zu sichern. Dies ist allerdings zu kurzfristig gedacht, denn eine Elite ohne solides Fundament kann nicht existieren.
Das Nichtinvestieren ist wohl einer der Hauptgründe für die aktuelle Sparwelle: im Kapitalismus ist das Geld für den Wirtschaftskreislauf da, und nicht für die Schatzbildung. Da also immer weniger Geld (prozentual) in die Realwirtschaft investiert wird, müssen, um ein Wachstum vorzugaukeln, alle möglichen Kosten gesenkt werden. Die Auswirkungen habe ich oben beschrieben.
Vom gesellschaftlichen Auftrag an die Eliten mal ganz abgesehen: wie borniert muss man eigentlich sein, um wie aktuell weiterzumachen?
Markus Ernst
Posted: Juni 8th, 2010 under Gedanken, Gesellschaft, Wirtschaft.
Comment from thom
Time 17. Juni 2010 at 08:40
wie borniert muss man eigentlich sein …
Nun, mit Weitblick betrachtet, ziemlich. Aber dies würde Weitblick als Bedingung voraussetzen. Da der sich selbst als Elite bezeichnende Teil der Gesellschaft diese Borniertheit gepaart mit einer ordentlichen Portion Egoismus per se nur an Ihrem eigenen Erhalt interessiert ist, stellt dies auch kein Problem dar, die Güteranhäufung sichert ein halbwegs anständiges auskommen bis zum Tage Ihres ablebens. Da Sie ja nicht an die Zukunft Ihrer Nachkommen denken, geht da noch ein Stück weit TINA. Meines erachtens sind da durchaus noch 20 Jahre oder mehr drin, bevor mit relevantem Gegenwind zu rechnen ist. Dank hervorrragender Arbeit seitens Liz, Axel und &Co ist die breite Masse ja hinreichend aufgeklärt.