Videobeweiß im Fußball
Zur Zeit herrscht ja wieder einmal König Fußball über die Nation. Mal ganz abgesehen von der Instrumentalisierung des Fußballs durch die Politik, und die dadurch erhofften Nebenwirkungen, wie von den eigentlichen Problemen abzulenken, habe ich nach den letzten paar Partien mir schon wieder einmal, sowie auch schon die WMs zuvor, die Frage gestellt, wer denn nun die Schiedsrichter zur Rechenschaft zieht.
Ein Schiedsrichter sollte unauffällig sein, und den Spielfluss aufrechterhalten, und nicht jeden harmlosen Zweikampf mit einer gelben Karte ahnden, und sich so in den Mittelpunkt zu stellen.
Erstes Beispiel heute, Deutschland – Serbien:
der Schiedsrichter hatte die Meßlatte der mit Gelb zu ahndenden Fouls sehr niedrig angelegt, so niedrig, dass es stellenweise grotesk anmutete. Sei dem so. Dann muss der Schiri allerdings auch das Ganze konsequent so weiterpfeifen. Schweinsteiger hätte nach seinem üblen Einsteiger genauso vom Platz gehört wie der Serbe, der gegen Ende der Partie am eigenen Strafraum Gomez übel zusammengetreten hatte; Schweinsteiger blieb unbehelligt, und der Serbe hat für sein übles Foul auch noch einen Freistoß geschenkt bekommen.
Zweites Beispiel heute, USA – Slowenien:
der Schiri machte über die meiste Zeit des Spiels einen souveränen Eindruck, bis er zum Ende des Spiels aus nicht nachvollziehbaren Gründen einen Treffer der USA aberkannte: es war nicht einmal abseitsverdächtig, und die einzigen, die Fouls begingen, waren die Slowenen. Zur Not konsultiert man die beiden Assistenten.
Drittes Beispiel vorgestern, Südafrika – Urugay:
Der Schiri hatte über die meiste Zeit Südafrika eindeutig bevorteilt, schlimme Fouls nicht geahndet, bis er gegen Ende des Spiels, als von Südafrika nichts mehr kam, dem südafrikanischen Torhüter die rote Karte zeigte.
Folgen für die Schiedsrichter sind, jedenfalls unmittelbar, nicht vorgesehen, bzw. wirken sich erst in der Zukunft aus. Wenn ein Spieler während eines Spiels eine regelwidrige Aktion wie ein schweres Foul, oder auch eine Schwalbe macht, die vom Schiedsrichter nicht bemerkt wurde, wird der Spieler nachträglich bestraft.
Warum unterzieht man nicht nachträglich das Spiel einer Analyse und sucht gezielt nach Verfehlungen des Schiedsrichters? Im Falle des Spiels USA – Slowenien könnte man entweder nachträglich das Tor anerkennen, was wohl nicht gemacht wird, oder den Schiedsrichter zu einer empfindlichen Strafe verdonnern, und zwar zu so einer empfindlichen, dass alle anderen Schiedsrichter abgeschreckt würden; kommt natürlich ebenfalls nicht.
Was man allerdings sehr wohl machen könnte, und was auch schon in anderen Sportarten Gang und Gebe ist: die Einführung des Videobeweißes!
Und, warum kommt der nicht? Weil der Fußballdiktator Sepp Blatter es nicht will. Das passt zur FIFA wie die Faust aufs Auge!
Wir können ähnliches in der Politik beobachten: Transparenz ist nicht erwünscht. Gut, in der Politik ist klar, warum nicht, aber ausgerechnet im Fußball? Die Machtposition der FIFA würde nicht tangiert, trotzdem wird dieser Beweiß immer wieder strikt abgelehnt.
Die Erfahrung zeigt allerdings, dass wenn Änderungen scheinbar grundlos abgelehnt werden, soll etwas vertuscht werden. Da frage ich mich natürlich schon, was die FIFA vertuschen möchte, wenn sie den Videobeweiß kategorisch ablehnt. Mir persönlich fällt da immer gleich ein Grund ein, der mir im Laufe jeder Weltmeisterschaft wieder auffällt: wer hat ein Interesse an unverückbaren Schiedsrichterentscheidungen, die nicht revidiert werden können? Da fällt mir doch auf Anhieb die Wettmafia ein.
Das klingt natürlich gleich nach einer VT, nur nach den Erfahrungen auf nationaler und europäischer Ebene mit Wettskandalen darf man sich wohl zurecht fragen, warum ausgerechnet die WM davon verschont bleiben sollte. Gewettet wird weltweit, d.h. es wird garantiert versucht auf die Schiedsrichter, sicherlich auch auf einige Spieler, einzuwirken. Die Weigerung der FIFA den Videobeweiß einzuführen begünstigt auf alle Fälle die Interessen der Wettmafia. Vielleicht hat die FIFA da weitreichende Vereinbarungen, und wird am Gesamtwettumsatz beteiligt; wundern würde es mich jedenfalls nicht.
Zusammenfassung: die Spiele sind zum Teil wirklich attraktiv, und es macht dann auch Spaß zuzuschauen. Leider wird dies durch die Tatsachenentscheidungen zum Teil massiv getrübt. Ich werde mir auch weiterhin viele Spiele anschauen, auch wenn manche Entscheidungen mir die Galle hochkommen lassen.
Lösung: ENDLICH den Videobeweiß einführen. Vorschläge, wie der praktikabel zu handhaben ist, gibt es reichlich. Je länger sich die FIFA weigert, desto bedenklicher. Vielleicht hat ja die UEFA, oder gar der DFB, das Rückgrat diesen Beweiß für ihre Ligen einzuführen.
Markus Ernst
Posted: Juni 18th, 2010 under Gedanken, Kommentar, Sport.